01.These

Wenn die GEMA der Staat wäre, müssten alle Steuern zahlen, aber nur 5 % dürften wählen gehen, die fünf Prozent Reichsten. Nur die beitragsstärksten Mitglieder haben Mitspracherecht. Das sind von ungefähr 60 000 nur 3200 Mitglieder. 
Der Rechteverwerter GEMA beruft sich dabei auf das deutsche Vereinsrecht.
Mitspracherecht haben also die, die viel am Gesamtumsatz beitragen und somit  auch am meisten GEMA-Einnahmen haben.
Auf die Annahme, dass natürlich diese 5% wenig Interesse daran haben, daran etwas zu ändern, antwortet ein Vertreter der GEMA 
im aktuellen GEMA-Dossier auf motor.de folgendes: „Auch diese wirtschaftlich erfolgreichen Mitglieder sind natürlich 
daran interessiert, an neuen wirtschaftlichen Entwicklungen zu partizipieren. Außerdem wäre es ja ein Umkehrschluss des 
GEMA Solidarsystems: verteilt wird an alle Mitglieder der GEMA gleich, unabhängig vom Mitgliedsstatus. 
Wir sind auch bei der Verteilung zur Gleichbehandlung verpflichtet.“

Wenn das nur so wäre…

Kann man sich dieser Behauptung anschließen? Ist die GEMA ungerecht in ihrer Verteilung, sowohl der Einnahmen als auch der Vergabe von Mitspracherecht? Sind die Einteilungen in ordentliche, außerordentliche und angeschlossene Mitglieder in der heutigen Zeit überhaupt noch adäquat? Und braucht ein Künstler den Staat GEMA denn überhaupt, sofern er einer wäre?

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02.These

Weniger GEMA – mehr für meine Hörer und mich.

Gründungsidee und Hauptargument der GEMA ist die Absicherung der Einnahmen ihrer Mitglieder. Tatsächlich bringt der Rechte Verwerter erstmal nichts, sondern nimmt – und zwar ganz massiv: Von jeder verkauften Platte und jedem Download geht eine Bearbeitungsgebühr von bis zu 14,7% Prozent an die GEMA. Großer Verlierer sind alle vom Künstler bis zum Käufer. Und das mehrfach. Denn damit sind die Titel im Netz nicht mehr frei verfügbar, womit die GEMA viralen Anspruch und Aufbau des Urhebers erfolgreich torpediert hat. Bietet dieser sein Werk auf eigene Faust als Gratis-Download an, riskiert er eine Nachforderung. Die Rechte Wahrnehmung des bürokratischen Monopolisten kennt keine Kompromisse, Herauslösung einzelner Songs ist nicht möglich. Und selbst, wenn man es als junger Musiker endlich ins Radio geschafft hat, lässt der wirtschaftliche Mehrwert auf sich warten. Newcomer werden nicht pro Airplay abgerechnet, sondern kollektiv über die 31 größten Stationen. Dann werden die Ergebnisse diese Mainstream- und Schlagersender einfach auf ambitionierte Anbieter wie  Flux FM, Star, Fritz etc. umgelegt. Ein realitätsferner und ungerechter Verteilungsschlüssel, der wieder ausschließlich den Dieter Bohlens dieser Welt dient. Zum Glück nur dann, wenn man sich für eine GEMA-Mitgliedschaft entschieden hat.

Warum sollte man sich noch entscheiden, seine Werke bei der GEMA anzumelden und sie dort verwerten zu lassen, wenn man doch anscheinend eh nichts vom Kuchen abkriegt? Und warum hat man keine Chance da wieder raus zukommen bzw. bestimmte Werke von sich vielleicht auch anders zu verwerten?

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03.These

Die GEMA ist die Wallstreet der Kreativindustrie. Intransparenz

Das Ausschüttungsmodell der GEMA hat Methode. Und die heißt Intransparenz. Die Verteilung von Geldern ist in der Praxis völlig unübersichtlich und wird bewusst undurchsichtig gehalten: Wertungs- und Hochrechnungsverfahren (PRO-Verfahren) sind stark verzerrt, Gebühren und Ausschüttung stehen häufig in keiner Korrelation zueinander. Obwohl der Verteilungskrake GEMA ein außerordentlich komplexes System ist, wird er lediglich von 4 1/2 Juristen-Stellen kontrolliert. Diese befinden über die Rechtmäßigkeit des gesamten Verteilungs- und Inkassosystems. Sonst gibt es keinerlei unabhängige Kontrolle über die Zuerteilung von Wertungszuschlägen.

Soziale Ungerechtigkeit: Die Reichen werden immer reicher.

Was wie ein handfester Skandal klingt, wird in der Gebührenpraxis noch unglaublicher. So richten sich GEMA-Gebühren bei Majorlabels nur nach Zahl der verkauften Alben, während kleinere Labels für jede Kopie zahlen müssen. Junge Künstler stehen deshalb vor der absurden Wahl, ihre Musik entweder zu verschenken oder bei einem Majorlabel anzuheuern. Die Institution GEMA ist vom Kulturschützer zur sicheren Bank der Kulturvernichter des Mainstream geworden.

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4. These

Es gibt keine neue Idee, sondern nur die weiterentwickelte Kopie einer bestehenden. Rock denkt Bob Dylan weiter, Bob Dylan dachte Woody Guthrie weiter, Woody Guthrie die Musik amerikanischer Einwanderer u.s.w.

Was heute unter Retro läuft, ist tatsächlich die Evolution von Kunst.

Mit einem Unterschied: Wo die Kulturtechnik Kopie früher nur Kennern vorbehalten war, können sich im digitalen Zeitalter Alle bedienen. Die längst überfällige Demokratisierung von Kreativität. Künstler nehmen die neuen Möglichkeiten gern an. Auch Legenden wie Lou Reed, indem er auf alte Songs verlinkt, auf dass sie wieder entdeckt werden – wie den Klassiker „Gimmie Some Good Times“. Leider sperrte eine Organisation namens GEMA den Song für deutsche Fans auf YouTube. Offensichtlich hielt sie sich für wichtiger als den Urheber. Was einem Lou Reed wohl nur ein müdes Lächeln entlockt haben dürfte, ist für Musiker am Anfang ihrer Legendenbildung umso ernster. Die GEMA fördert Mainstream und zerstört Karrieren, bevor sie begonnen haben.

• kleinere Labels entrichten ihre Gebühren pro Kopie, während Majorlabels nur pro verkauftem Tonträger zahlen.

• selbst für kostenlose Downloads werden Gebühren fällig und so unbekannte Musiker um ihre viralen Chancen gebracht.

• nur die fünf Prozent einnahmestärksten Mitglieder können mitbestimmen, während sich die restlichen 95% aufs Zahlen und Zuschauen beschränken dürfen.

Die Mobbing Liste des selbst ernannten Rechte Verwerters zum Nachteil junger Musiker ist schier endlos. Der ärgerlichste Punkt? Die GEMA selbst bestreitet die Missstände nicht einmal, sondern beruft sich wie ein Papagei auf ihren Vereinstatus samt bestehendem Recht aus dem letzten Jahrtausend.